Balken01a


Talen und Velvet 03
 

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Als Talen erwachte, schlug er erschöpft die Augen auf. Er schrak leicht zusammen, als er sich in einer unbekannten Höhle wiederfand und fühlte, daß Jemand an ihn gekuschelt lag. Er beruhigte sich aber rasch, weil ihm das Wichtigste wieder einfiel und er auch wusste, wem der schwarze Haarschopf mit den silbernen Haarsträhnen gehörte. Allerdings fühlte er sich ziemlich beschissen und seine Blase drückte gewaltig. "Wach auf, ich muss mal." Ob er es aber allein schaffte, wusste er nicht, doch er würde sich bemühen, es zu schaffen.

Fast sofort wachte Velvet auf und lächelte zu dem Anderen hoch - dann nickte er und stand auf, ehe er dem Grünäugigen hochhalf und ihn stützte. "Kein falscher Stolz und auch keine Scham ... ich weiß, wie es ist, wenn man verletzt ist und ich bin nicht so dumm und lasse es dich selbst versuchen, damit du hinfällst und dich noch schwerer verletzt. Also - hinten ist eine abgetrennte Kammer mit heißen und kalten Quellen, diese Höhle gehörte nämlich einmal einem alten Freund von mir, einem Fels- und Baumformer. Gehen wir ?"

"Gut, gehen wir." murrte Talen und ließ sich langsam in die Höhle führen. Dort angekommen, staunte er nicht schlecht. Es waren dort einige Wasserbecken und eines davon dampfte heiß vor sich hin, als wenn es nur drauf wartete, daß man hineinstieg und badete. Wasserfälle waren auch da und der helle Efeu rundete das Bild noch ab. "Fels UND Baumformer, ja ?" hakte er kurz nach und stützte sich mit einer Hand an der Wand ab, als Velvet ihn vor den kleinen Wasserlauf stellte, der wohl das Klo war. Sofort erleichterte er sich und seufzte leise.

Leise schmunzelnd, lehnte der Blauäugige sich an der Wand an und streichelte zärtlich über den Efeu, der ein weiches, weißgelbes Licht abgab ... fast schien es, als ob die Blätter sich in seine Hände schmiegen würden und sie leuchteten ein wenig heller, als er leise antwortete. "Ja - ein sehr alter Freund von mir, ich kenne ihn schon seit über zweihundert Jahren. Er hat mir einige solcher Unterschlupfe geformt." Vel schmunzelte kurz, doch dann löste er sich wieder und erleichterte sich selbst in einem anderen Wasserlauf, ehe er sich wusch und dann auf das große Becken deutete, das von einer Heißwasserquelle gespeist wurde. "Möchtest du baden ? Ich denke, nach der Gefangenschaft hast du ein wenig Entspannung verdient ..."

"Das wäre mir lieb... ich stinke nach Troll." Man merkte, daß er die grünen Wesen nicht mochte, auch wenn er respektierte, daß Velvet mit ihnen Geschäfte machte. "Danke nochmal für deine Hilfe.... und auch, daß du meine Sachen alle genommen hast." Talen setzte sich vorsichtig an den Rand des Beckens und glitt langsam in das warme Wasser. Es tat wirklich gut, nur zu lange konnte er nicht bleiben, weil sein Kreislauf das sicher noch nicht so lange mitmachte.

Und genau aus diesem Grund stieg auch Vel in das Becken und setzte sich hinter den Grünäugigen, nahm von der Seite ein weiches Leder und tauchte es in das heiße Wasser, ehe er damit begann, behutsam über den Körper Talens zu waschen. "Deine Sachen hätte ich so oder so mitgenommen - um ehrlich zu sein, ich habe nicht gelogen, ich kenne genug Hehler, die mir eine schöne Summe Gold für deine Sachen bezahlen würden ... und auch für dich. Eigentlich rette ich keine Elfen, wenn sie von den Trollen gefangen werden oder auch Sklaven der Menschen sind - ich bin kein Held. Bei dir habe ich eine Ausnahme gemacht, da du mich interessierst ... und mich nicht von Anfang an angefleht hast. Du hast Stolz - und ich bewundere das." Der Dieb ließ seine Stimme ein wenig sanfter und beruhigender werden, denn er fühlte, daß Talen noch immer so angespannt und unruhig war.

Das änderte sich aber aufgrund der Stimme und Talen entspannte sich ein wenig. "Dann kann ich ja froh sein, daß du mich interessant findest." Talen seufzte entspannt, merkte aber, daß dies nicht vom Wasser kam und auch nicht vom Waschen. "Deine Stimme ist erstaunlich beruhigend." stellte er fest. Er selber wusch sich über die Arme und ein wenig dort, wo er selber gut rankam. Wenn er sich ein wenig mehr erholt hatte, würde er die tiefen Wunden nach und nach schließen. Er war Fleischformer und konnte es somit, nur heilen konnte er nicht. Es war schon ein ziemlicher Unterschied.

"Ja ... aber nur, wenn ich es möchte. Weißt du ... ich besitze Stimmmagie, zwar nicht stark genug, um Jemanden völlig willenlos zu machen, aber genug, um gewisse Stimmungen zu beeinflussen. Jetzt benutze ich es, um dich ein wenig zu beruhigen - du brauchst Ruhe, damit du dich entspannen und erholen, Kraft tanken kannst." Daß Velvet es auch mehr als nur genoß, den Körper des anderen Elfen so nahe zu spüren, war etwas, das er gar nicht sagen brauchte - es war spürbar und auch in seinen weich schimmernden Augen und dem unwillkürlichen Lächeln zu sehen.

"Zum Beruhigen... na gut." wisperte Talen. Er hatte es schon fast geahnt und doch beunruhigte ihn das nicht, weil er spürte, daß es ihm guttat. Er konnte sich aber auch noch denken, wozu Velvet seine Stimme so benutzte. Zum Verführen. Seine Gedanken führte er aber nicht weiter aus, denn langsam wurde ihm schwummerig und sein Körper heizte sich zu sehr auf. "Ich muss raus, sonst kippe ich weg." Dazu kam, daß er seit Tagen nichts mehr gegessen hatte.

Vel nickte nur, denn er hatte gerade den gleichen Gedanken gehabt - vorsichtig stand er auf und stieg aus dem Becken, ehe er dem Verletzten aufhalf und ihn stützte, als dieser aus dem Becken stieg. Kaum war Talen wieder auf trockenem Boden, nahm Vel ein weiches Handtuch von der Seite, trocknete Talen damit ab und wickelte ihn dann in ein Weiteres, trocknete sich selbst kurz und brachte ihn dann wieder zurück zu dem Lager. Dort half er ihm, sich wieder hinzulegen, nahm das Handtuch und holte auch die Anderen aus der Badehöhle, hängte sie in einer Seitenkammer auf und fachte dann leise summend das Feuer in der Haupthöhle wieder an, um in einem Kesselchen ein wenig Eintopf anzusetzen. Erst, als er damit fertig war, kam er wieder zu dem Verletzten und setzte sich neben ihn, nahm von der Seite ein kleines Tigelchen und begann noch immer summend damit, die geruchslose Salbe auf die Wunden zu tupfen. Daß er dabei nicht sprach, zeigte, daß Velvet die Schweigsamkeit seines Gastes respektierte und auch, daß er sich in dessen Gegenwart wohlfühlte, denn es war ein angenehmes Schweigen, frei von Erwartungen oder Verpflichtungen.

"Ich heile die Wunden später... ich muss nur zu Kräften kommen." wisperte Talen. Velvet sollte nicht zuviel Salbe an ihm verschwenden. "Ich bin Fleischformer." fügte er leise an und versuchte, wach zu bleiben. Was ihm aber recht schwerfiel nach dem warmen Bad. Aber bevor er schlief, wollte er gern noch etwas essen, also hielt er sich so gut es ging, wach.

Bei den Worten hob Velvet eine seiner Brauen - doch dann schmunzelte er und wisperte ein leises "Das ist gut ....", ehe er ihm einen sachten Kuß auf die Wange gab und aufstand, zu dem kleinen Kessel ging und ein wenig umrührte. Es war zwar nichts Frisches, doch aus dem getrockneten Fleisch, Gemüse und dem zerlassenen Fett hatte er schnell einen leichten, doch kräftigenden Eintopf gekocht, eine Schüssel damit gefüllt und kam nun zu Talen an das Lager, damit dieser essen konnte. Doch zuvor half ihm Vel noch, sich ein wenig aufzurichten, stopfte zur Stütze ein weiches Kissen in dessen Rücken und setzte sich dann zu ihm, um ihn schließlich leise zu fragen. "Schaffst dus alleine ? Oder soll ich dir helfen ? Und bitte keine falsche Scham, es nützt nichts, wenn du dich aus Eitelkeit und Stolz völlig verausgabst...."

"Ich denke, es geht schon..." wispernd, war die falsche Scham schon da. Er bemerkte es, als er nach der Schüssel greifen wollte, und ließ es dann doch sein, um ein seufzendes. "Okay, ich schaffs nicht." zu murmeln. Er schämte sich wirklich für seine Schwäche und hoffte, daß er nach dem Essen und etwas Schlaf wieder etwas kräftiger wurde. "Ich war noch nie so angeschlagen."

**Dann warst du scheinbar auch noch nie ein Gefangener der Trolle. Aber das ist kein Grund, sich zu schämen - du hast dich bemerkenswert gut gehalten, nach deinen Wunden zu schließen, warst du schon mehrere Tage ihr Gefangener. Das zeigt, daß du sehr viel Durchhaltevermögen hast ... und sehr viel Stolz, Hm ? Keine Sorge, alles, das hier passiert, bleibt zwischen uns Beiden. Das verspreche ich dir.** Die Gedanken Vels waren ehrlich und freundlich und noch während er sendete, nahm er den Löffel auf und gab Talen zu essen. Da es so leichter ging, waren sie recht schnell mit der Schüssel fertig und der Blauäugige nickte, als er sah, daß sein Pflegling müde wurde. Behutsam nahm er ihm das Kissen aus dem Rücken und deckte ihn zu - wisperte noch ein leises "Schlafe und erhole dich dabei ein wenig ... du bist hier sicher." zu ihm, in das er ein wenig mehr seiner Magie legte, damit Talen wirklich tief schlafen konnte, da dessen Körper es brauchte.

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Wie lang er geschlafen hatte, wusste Talen nicht, als er wieder die Augen aufschlug. Er wusste aber, es musste tief gewesen sein. Er fühlte sich deutlich besser und er fühlte, daß Velvet angekuschelt bei ihm lag. Es war eine angenehme Wärme und Talen blieb noch so liegen, wie er war. Es war Nacht, wie es schien, und er schloss noch mal seine Augen, um weiter zu ruhen... auch wenn er nicht mehr schlief.

Es dauerte eine Weile, ehe Velvet erwachte ... auch er ließ es sich nicht anmerken und genoß die Nähe, doch schließlich schlug er seine Augen auf und betrachtete das ruhige Gesicht Talens. So entspannt wirkte der Assassine ganz anders ... wie die andere Seite einer Münze, und schließlich hob der Dieb die Rechte und nahm eine der pechschwarzen Haarsträhnen auf, die Talen ins Gesicht gefallen war, um sie ihm nach hinten zu legen.

Als das geschah, schlug Talen seine Augen wieder auf und betrachtete schweigend das Gesicht von Velvet. "Du bist seltsam." stellte er fest. Es war aber keineswegs herablassend gemeint. "Kümmerst dich um einen Fremden und kaufst ihn sogar frei."

Jener schmunzelte leise und strich die Haarsträhne hinter das Ohr des Verletzten, betrachtete ihn noch eine Weile und sendete schließlich leise und schon fast zärtlich zu ihm. **Ja, ich weiß ... aber ich konnte dich nicht bei Smorgen lassen, er hätte dich getötet, nachdem er seinen Spaß mit dir gehabt hätte. Und dafür bist du zu schade, mein Hübscher - du sagst zwar, daß du als Dieb nicht so gut bist, aber ich war Damals froh, dich bei mir gehabt zu haben. Wegen dem Gold und dem Saphir mach dir keine Sorgen - das habe ich schnell wieder verdient. Außerdem machst du mich neugierig, sehr sogar ....**

**Ich stehe trotzdem in deiner Schuld, und die werde ich bezahlen.** Talen klang da sehr entschlossen, er konnte das nicht so einfach annehmen, ohne etwas dafür zurückzugeben, was angemessen war. **Ich weiß noch immer nicht, warum ich dich so neugierig mache.**

Leise seufzend, schloß Vel seine Augen und kuschelte sich näher an die Wärme des Anderen ... es dauerte ein wenig, bis er ihm antwortete, doch seine Gedanken waren ebenso ernst wie auch ein wenig betrübt. **Ich möchte nicht, daß du denkst, du würdest in meiner Schuld stehen. Dieses 'Du hast mich gerettet, also stehe ich in deiner Schuld'-Gehabe ist zwar sehr ehrenwert, doch völlig unnötig. Jedenfalls bei mir. Und warum du mich neugierig machst - diese Frage könntest du dir eigentlich selbst beantworten ? Du siehst gut aus und du bist nicht leicht zu fangen ... das ist etwas, das mich fasziniert. Ebenso wie deine dunkle Seite, die meisten Elfen bleiben ehrlich und freundlich und sind mit aller Welt gut Freund. Ich bin lieber dunkel - und ich mag ebenso dunkle Menschen, Trolle und eben auch Elfen wie dich, Talen.** Das Letztere barg wieder ein klein wenig von dem verschmittzen Lächeln, das Velvet so oft trug, und es war ebenso neckend wie ehrlich.

**Ich bleib dann trotzdem bei dir, bis ich dir das Leben gerettet habe.. also Schluss, Okay ?** Daß er damit genau das tat, was Velvet schön zu finden schien, ahnte er da aber nicht. "Ich muss mal.. der Eintopf rauscht durch." Damit wollte er sagen, daß Velvet von ihm heruntergehen sollte, damit er aufstehen konnte, um sich zu erleichtern.

Jener seufzte nur leise auf die Gedanken Talens und stand auf, half ihm auf die Beine und brachte ihn in zu den Wasserbecken, legte noch eine Schüssel mit Wasser und einen Lappen daneben und wisperte ein sanftes "Ruf einfach, wenn du fertig bist.", ehe er nach Draußen ging und sich eine Hose anzog. Dann fachte er das Feuer wieder etwas an und hängte einen kleinen Kessel mit Wasser darüber - ließ einige Blüten und Hagebutten hineinrieseln und nickte, ehe er ihnen zwei Tassen richtete und schließlich noch zu den Pferden ging, um kurz nach ihnen zu sehen. Es war alles, wie es sein sollte - und durch den dichten, immergrünen Efeu drang weder ein Laut noch ein Licht nach Draußen, so daß sie völlig sicher waren. Zufrieden kehrte Velvet wieder in die Höhle zurück und richtete noch etwas ihr Lager, summte dabei leise und hoffte, daß Talen nicht so stolz war, zu versuchen, wieder alleine zurückzukehren.

Aber das war er. Er war zu stolz und schlich langsam zurück in die Höhle, wo Velvet den Tee kochte. Er stützte sich ein wenig an der Wand ab. **Wie gehst es meinem Schwarzen ?** fragte er nach seinem Hengst, als er in die Höhle kam und sich dann wieder auf das Lager sinken ließ. Sein Hengst war gut erzogen und hatte somit wenig Interesse an der Stute von Velvet.

"Was ?! Du dreimalverfluchter Idiot !!" Vel kam sofort wieder zu ihm und zog die Brauen tief in seine Augen - es war, wie er es sich gedacht hatte, und er verfluchte sich selbst für seine Vertrauensseligkeit. **Deinem Hengst gehts gut, er ist nebenan. Und wieso verdammt nochmal, hast du das getan ?! Wenn du so sehr drauf aus bist, deine dir selbst eingeredete Schuld zurückzuzahlen, dann sorge gefälligst dafür, daß du noch lange genug lebst, um das zu tun ! Ich habe keine besondere Lust, dich alle paar Tage ein weiteres Mal zusammenflicken zu müssen, nur weil du zu stolz bist, Hilfe zuzulassen. Du bist erschöpft - und mußt eben ein paar Schritte langsamer gehen, und dazu gehört nunmal auch, daß man sich helfen lassen muß !** Der Elfendieb kannte Stolz - und er kannte auch Dickköpfigkeit, zwei Dinge, die nur zu oft verwechselt wurden. Und das ließ er auch eindeutig in seinen Gedanken durchklingen, ebenso wie seine Mißbilligung darüber, daß Talen sich überanstrengte. Und der Beweis dafür, daß es nicht gut war, zeigte sich alleine schon dadurch, daß der Assassine wieder sehr erschöpft war und einige der Wunden wieder aufgebrochen waren und leicht bluteten, so daß Velvet die Verbände erneuern mußte.

Talen grummelte nur leise. "Dann erschöpfe ich mich jetzt eben noch mehr und schließe die Wunden, dann hab ich Ruhe und du musst dich nicht sorgen." Talen wusste, daß dies schmerzte, aber die tiefsten Wunden konnte er so zum Abheilen bringen. "Ich bin kein Elf, der lange rumliegen kann."

"Das wirst du aber müssen, wenn du dich richtig erholen willst, mein Hübscher. Und keine Widerrede mehr - du entspannst dich jetzt, trinkst ein wenig Tee und dann wirst du schlafen, tief schlafen, damit dein Körper wieder Kraft tanken kann." Dieses Mal ließ Velvet seine volle Magie in die leisen Worte fließen und nickte, als er schon merken konnte, wie der Körper des Verletzten langsam weicher wurde und sich entspannte. Dann goß er etwas von dem noch nicht zu heißen Tee in eine der Tassen, reichte sie Talen und setzte sich neben ihn, um darauf aufzupassen, daß nichts verschüttet wurde.

"Unfair." wispernd, gab Talen dem einfach nach und ließ sich in das Gefühl fallen, das es wohl besser sei, sich auszuruhen. Er wusste, es war ein mieser Trick mit der Stimme, aber irgendwie gab er nach. Vielleicht, weil er innerlich wusste, daß es wirklich das Beste war. Willig nahm er also die Tasse und trank Schlückchen um Schlückchen, bis sie leer war. Und da er sie geleert hatte, füllte sich sein Magen und der zog seine Augenlieder wieder herunter.

Mit einem kurzen Nicken nahm ihm Vel die Tasse ab und seufzte leise - dann deckte er den Schlafenden wieder zu und stand auf, schenkte sich selbst eine Tasse Tee ein und trank sie, ehe er die Hose wieder auszog und sich zu dem Schlafenden legte. Das Feuer würde von selbst runterbrennen und sie hatten hier nichts zu befürchten, so daß auch er bald wieder in einen tiefen, erholsamen Schlaf fiel, denn er ahnte, daß er seine Kraft noch mit diesem störrischen Assassinen brauchen würe.

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Als Talen wieder erwachte, war es Tag und er seufzte leise. Er hatte schon wieder geschlafen und schon wieder lag Velvet an ihn gekuschelt. Irgendwie war es ja schön, aber er würde den Teufel tun und es zugeben.

Es dauerte noch eine Weile, bis auch der Blauäugige aufwachte, denn Vel genoß es, einmal wieder neben einem angenehm harten Männerkörper zu schlafen, etwas, das er die letzten beiden Monate sehr vermißt hatte. Doch dann schlug auch er seine Augen auf und lächelte, küßte Talen auf die Wange und stand auf, um schon einmal das Feuer wieder anzufachen und den Teekessel wieder über die Flammen zu hängen. **Zu den Becken helfe ich dir wieder, ich denke aber, daß ich dich dann alleine lassen kann, bis du dich gewaschen hast. Ich versorge inzwischen die Pferde und mache uns Frühstück, dann leiste ich dir kurz Gesellschaft, Okay ? Und bitte mach diesmal nicht wieder so einen Blödsinn, ich mag dich nicht immer beeinflussen müssen, Talen.** Noch während er sendete, drehte Vel sich zu dem Verletzten um und hielt ihm die Hand hin, um ihm aufzuhelfen. Er machte sich noch immer Sorgen und hoffte, daß Talen nicht zu streiten anfing - es wäre einfacher und auch für seine schnelle Heilung zuträglicher, wenn sie so wenig Streit wie möglich hätten.

**Keine Bange, ich werde mich zusammenreißen.** beruhigte Talen und ließ sich aufhelfen und in die Höhle führen. Als Velvet weg war, erleichterte er sich und wusch sich in Ruhe herab. Er wusch vorsichtig um die Verbände herum und seufzte leise als er damit auch fertig war. **Ich bin fertig.** sendete er dann zu Velvet. Man merkte, daß es ihn Überwindung gekostet hatte, aber er wollte nicht wieder beeinflusst werden und ausgeschimpft wie ein Kleinkind.

Leise schmunzelnd, kam Vel nach hinten und nickte - dann stützte er den noch immer Geschwächten und brachte ihn zurück zu ihrem Lager, half ihm, sich wieder hinzulegen und drückte ihm eine Tasse heißen Tee in die Hand. "Ich bin gleich wieder da - trink ein wenig, dann können wir uns um deine Wunden kümmern." Dann stand der schlanke Dieb wieder auf und ging selbst in die Badehöhle, erleichterte sich und wusch sich herab, zog seine Hose wieder an und kam mit einer Schüssel heißen Wassers und einem feinen, sauberen Tuch zu Talen zurück, um sich neben ihn zu setzen und auf die verbundenen Wunden zu nicken. "Ich kann mir denken, daß du die Wunden selber heilen möchtest - aber zuerst sollten wir sie noch einmal säubern, dann ist es leichter für dich. Hm ?"

"Ja, ist leichter." murmelte Talen in die Teetasse und trank noch einen Schluck, bevor er sie beiseite stellte, damit Velvet anfangen konnte. "Vielleicht kannst du auf mich aufpassen, wenn ich das mache... es strengt ziemlich an." Daß es schmerzte, als würde ihm mit einer glühenden Nadel in die Wunde gestochen, sagte er allerdings nicht.

Vel nickte nur und seufzte leise ... dann nahm er Talen die Verbände ab und begann damit, die Wunden noch einmal zu säubern, blieb dabei aber so behutsam, wie er konnte, damit er ihm nicht noch zusätzliche Schmerzen bereitete. Daß die Heilung schmerzen würde, ahnte der Dieb allerdings ... er hatte einmal eine Fleischformerin gekannt und sie hatte es gehaßt, da es schmerzte, sich zu verändern, wenn man kein Heiler war. **Mach es langsam - erst die tiefen Wunden, die Leichteren kannst du auch Morgen noch heilen ?**

**Ich weiß...** erwiderte Talen nur knapp und konzentrierte sich auf die erste tiefe Wunde. Es war der Schnitt an seinem Bein. Mit zusammengebissenen Zähnen konzentrierte er sich weiter und weiter, bis die Wunde sich langsam schloss, bis nichts mehr davon zu sehen war. Noch bevor er sich an den verklungenen Schmerz gewöhnte, konzentrierte er sich auf die nächste Wunde. So heilte er die tiefsten Peitschenhiebe und Schnitte. Man merkte ihm an, wie anstrengend es war, sein Körper war schweißgebadet und erst, als die letzte, tiefe Wunde geschlossen war, schrie er laut auf und schlug mit der Faust in das Fell, um sich abzureagieren und damit ihn nicht eine Ohnmacht übermannte.

"Schhhh ... es ist gut, der Schmerz ist nun vorbei. Entspanne dich, der Schmerz verklingt und ist nurmehr eine Erinnerung, und auch diese verklingt, noch ehe ich zu sprechen aufhöre. Es ist gut, Talen, laß ... die leichteren Wunden können wir Morgen angehen, jetzt erhole dich, ja ?" Erneut ließ Vel all seine Magie in seine Stimme fließen und beruhigte den Verletzten - er hoffte, daß er noch immer den Schmerz beeinflussen konnte, denn er hatte dies schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr getan. Doch während er sprach, wusch er behutsam den Schweiß von dem Körper des Grünäugigen und hoffte, daß er ihn auf diese Weise noch ein wenig mehr beruhigte.

Wie erwartet, beruhigte sich Talen durch die Stimme Velvets, der Schmerz ließ auch nach und er fühlte sich erstaunlich gut. "Danke..." Er wusste, daß es die Magie des Anderen war, er kannte den Schmerz und der brannte normal noch einige Minuten durch seinen Körper. Das Waschen tat auch gut und so ließ er sich nach hinten sinken, nachdem Velvet seinen Rücken gewaschen und abgetrocknet hatte. **Deine Magie ist sehr nützlich.**

**Ich weiß ... all das, was eine normale Stimme erreichen kann, ist durch die Magie noch verstärkt. Auch wenn ich Niemanden zu etwas zwingen kann, das dieser nicht will, so kann ich doch beeinflussen oder wie bei dir dafür sorgen, daß dein Körper den Schmerz selbst stillt. Es ist das Gleiche, als ob du einen Orgasmus gehabt hättest - dieses schöne Gefühl, das danach kommt, das kann ich auch durch meine Stimme auslösen und das habe ich jetzt bei dir getan. Ich weiß, wie schmerzhaft es für einen Fleischformer ist, sich zu heilen - und ich bin verwundert, daß du es überhaupt so lange ausgehalten hat.** Wie von selbst streichelte seine Hand über die Stirn Talens und schob ihm einige lose Haarsträhnen nach hinten, ehe er über dessen Wange streichelte und ihn zärtlich anlächelte.

"Ist Übungssache... und mein Dickschädel." wisperte Talen. Er lächelte etwas schief wegen diesem sanften Lächeln des Blauäugigen. **Ist dir vielleicht aufgefallen.. ich hab sonst keine Narben. Ich forme die Wunden immer völlig weg... ich mag Narben nicht, auch wenn sie wohl zeigen, daß man stark ist.**

Leise schmunzelnd, nickte Vel und koste über die Wange Talens, ehe er ihm leise antwortete. **So sehen es die Meisten, Talen, vor allem Krieger. Aber ich kann verstehen, daß du es nicht möchtest - du bist hübsch und möchtest nicht, daß es sichtbar ist, wenn du einmal einen Fehler gemacht hast. Mach dir deswegen nicht so viele Gedanken, ich tue es auch nicht.**

**Es reicht, wenn ich selber weiß, daß ich einen Fehler gemacht habe... Ich weiß auch noch, wo jede Verletzung war.... aber reden wir nicht mehr drüber, du hast Recht.** Talen hasste Narben, er hatte seine Gründe. Als Baby hatte ihn jemand verbrüht und er lief, bis er seine Magie ausgereift hatte, mit den Narben herum. Er wurde gemieden und wollte auch allein sein. Jetzt hatte er diese Narben nicht mehr und doch bevorzugte er es noch, allein zu bleiben. "Hast du noch etwas Eintopf ?"

Velvet fühlte, daß da noch mehr war als das, was der Andere sagte - doch er ließ es ruhen, denn auch wenn Vel manchmal neugierig war, in diesem Fall jedoch nicht. Mit einem leisen "Aber natürlich, Talen." stand er auf und schöpfte ihm ein wenig Eintopf in eine Schüssel, brachte sie ihm und holte sich dann selbst eine Schüssel mit Eintopf, ehe er sich wieder zu ihm setzte und ihn während sie aßen, leise fragte. **Möchtest du noch Tee ? Es tut mir leid, daß es nur Eintopf ist, aber die Höhle hier ist nur für Notfälle ausgerüstet, so daß die Vorräte alle getrocknet sind, damit sie längere Zeit überdauern ....**

**Kein Problem, ich bin es gewöhnt.... Hauptsache, man hat was im Bauch.** Talen hatte sich wieder aufgerichtet und löffelte langsam den Eintopf. **Und er schmeckt auch gut.** ergänzte er nach einigen Momenten. **Wieviel von diesen Unterschlupfen hast du eigentlich ?...Ich vermute, das ist nicht der Einzige, oder ?**

Bei der Frage hob der Blauäugige eine Braue und lachte leise, ehe er weiteraß und seinem Gast antwortete. **Acht solcher Höhlen, die auf dem Kontinent verteilt sind, in jeder großen Stadt eine Wohnung oder ein Haus und dann noch meine Grafschaft. Und ich kenne noch eine Menge Trolle, Elfen und Menschenhehler, bei denen ich Unterschlupf finden kann. Auch wenn mich eigentlich nie Jemand verdächtigt, es ist immer gut, wenn man irgendwo versteckt Unterschlupf finden kann und eine Weile seine Ruhe hat. Findest du nicht auch ?** Das Letzte war wieder neckend, denn eigentlich wußten sie Beide nur zu gut, wie nützlich versteckte Unterschlupfe für Diebe, Meuchler und Assassinen waren.

**Ja, ich finde es auch nützlich... dieser hier leistet ja schon gute Dienste.** stellte Talen fest und aß den Rest seines Eintopfs auf. **Ich denke, Morgen bin ich wieder auf den Beinen, die tiefen Wunden zehren jetzt nicht mehr am Körper.**

Der schlanke Dieb schnalzte nur mißbilligend mit der Zunge und stand auf, um die Schüsseln zu den Anderen in einer Waschschüssel zu legen, ehe er ihnen Tee einschenkte und wieder an das Lager zurückkehrte. **Nichts da - du erholst dich gefälligst richtig, und zwar so, daß du nicht halb tot bist, wenn wir einmal eine längere Strecke reiten. Ich weigere mich, dir deinen Dickschädel durchgehen zu lassen - ich hoffe, du verstehst das. Und es tut dir auch einmal gut, wenn du dich nicht selbst aus lauter Stolz zu einem Blödsinn zwingst, sondern auch einmal zuläßt, daß du dich ausruhst, dich erholst, und einfach nichts tust, außer Kraft zu tanken.** Die Gedanken Vels waren mehr als nur ernst - er war besorgt und wußte nur zu gut, wie sinnlos und unnötig und vor allem gefährlich es war, einen nur halberholten Körper zu haben, wenn plötzlich dein Leben davon abhing.

Talen konnte da wirklich absolut gar nix gegen sagen. Er wusste, Velvet hatte Recht, aber er war kein Elf, der lange stillsitzen oder liegen konnte. Ebenso war er es nicht gewöhnt, so verhätschelt zu werden... oder eher umsorgt. **Also gut.** Er gab sich also geschlagen und schlürfte seinen Tee. **Wo gehst du als Nächstes hin ?...Nur daß ich Bescheid weiß, wohin ich dir folgen werde.**

**Ehrlich ? Ich weiß es nicht. Ich denke, ich werde mich ein wenig in der nächsten Stadt umsehen, was die Gilde zu bieten hat ... oder wenn ein lohnender Ball abgehalten wird, dann verschlägt es mich dorthin. Vielleicht hat die Gilde ja auch einen lohnenden Auftrag für dich - zur Zeit haben die Menschen einmal wieder zu lange Frieden, sie fangen an, Intrigen zu spinnen und dann sind Meuchler und Assassinen mehr als nur gefragt.** Die Frage hatte Vel ein wenig überrascht, und er verbarg es auch nicht, ebenso wie die Tatsache, daß er eigentlich ein Vagabund und Lebemann war, der sich seine Beute und auch seine Freuden dort holte, wo es sich anbot.

**Verstehe...nun, dann folge ich dir dorthin und sehe, was sich anbietet. Ich kenne das Leben als Rumtreiber. Söldner und Assassine haben ja ein ähnliches Leben wie Diebe.** Talen war immer auf der Suche nach lohnenden Jobs und wenn Velvet etwas fand, würde er auch etwas finden. **Wie gesagt, ich bleib bei dir, bis ich meine Schuld bezahlt habe.**

Dies ließ den Dieb leise schmunzeln und er schüttelte seinen Kopf, nahm ihre inzwischen leeren Teetassen und stellte sie auf die Seite, ehe er sich zu Talen neigte und ihm einen sanften Kuß auf die Lippen hauchte. Dann stubste er ihn wieder zurück in die Felle und deckte ihn behutsam zu, während er weich zu ihm wisperte. "Du läßt es dir nicht ausreden, Hm ? Nun ... dann muß ich dich vorwarnen, ich finde solche starken Körper wie den Deinen sehr anziehend, besonders, wenn dahinter noch ein solch reizvoller, wilder Geist steckt ...."

"So stark bin ich auch wieder nicht... Ich bin nur ein klein Bisschen breiter als du." murmelte Talen etwas abwesend. Er war drauf und dran, wieder wegzudämmern. "Du machst es schon wieder... deine Stimme." wisperte er und dann war er auch schon wieder eingeschlafen.

Ein leises "Natürlich .... sonst bekomme ich dich doch nicht dazu, zu schlafen ?" wispernd, das diesmal ohne Magie war, seufzte Vel und hauchte einen weiteren Kuß auf die Stirn des Schlafenden - er hatte das Gefühl, daß dies noch mehr werden würde, als nur das bloße Pflegen eines verletzten Elfen, alleine schon durch den Dickschädel Talens und dessen Vorsatz, die angebliche Schuld zurückzuzahlen. Doch es war schön, einmal wieder Gesellschaft zu haben und ein Lächeln huschte über das Gesicht des Diebes, als er die Finger der Rechten über die Wange des Schlafenden kosen ließ und einen kleinen Moment lang daran dachte, ob sich vielleicht auch ein kleines Intermezzo in den Fellen ergeben würde. Denn es war schön, neben Talen zu schlafen und aufzuwachen - und es war auch angenehm, mit ihm zu reden, etwas, das Velvet schon lange nicht mehr mit einem Elfen getan hatte. Doch alles zu seiner Zeit - und jetzt hatte er andere Aufgaben, die seiner harrten, und er stand mit einem leisen Lachen auf, um ein wenig frisches Fleisch zu jagen.

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